Hier kommt die erste Leseprobe aus dem zweiten Band unserer aktuellen "The Legend of Drekh" Reihe 
ACHTUNG SPOILER! Wer Band 1 noch nicht gelesen hat, sollte lieber weiterscrollen 
Kapitel 1
Freiwild
„Hnnnngh!“ Mit Hilfe eines großen Rindenstücks und mindestens ebenso großer Anstrengung schiebe ich den letzten Rest bröckliger, überwiegend sandiger Erde aus meiner Höhle. „Haah, geschafft! Endlich!“
„Khrrk, khrr, khrr!“, krächzt Krätze, auf einem Stein sitzend, und mümmelt eine dicke Made.
„Oh ja, danke! Ich finde sie auch sehr schick!“ Der kleine Geistervogel legt fragend sein Köpfchen schief, aber für mich ist es einfach lustig, so zu tun, als könne ich ihn verstehen. Außerdem bin ich es nicht gewohnt, allein zu sein, und brauche unbedingt einen Gesprächspartner, sonst drehe ich über kurz oder lang durch. „Du hättest mir übrigens ruhig mal helfen können!“
„Khrk?“ Krätze deutet mit dem linken Stummelärmchen auf das rechte, macht dicke Backen und signalisiert mit seinem dauergrummeligen Blick unmissverständlich: ‚Wie soll denn das gehen, du Vogel?‘
Ja, manchmal hab ich wirklich das Gefühl, er versteht mich, aber dann denke ich mitunter, er imitiert mich nur. Zum Beispiel humpelt er neuerdings immer genau wie ich, wenn er mir hinterherläuft, und hebt dabei auch noch so seltsam die Flügel, als würde er durch kniehohe Kacke watscheln. Letztendlich hab ich keine Ahnung, ob er mich nachäfft, weil er es schlichtweg lustig findet, oder ob er auf die Art irgendwie mit mir kommunizieren will.
Apropos kommunizieren.*
Ich mache mir furchtbare Vorwürfe, weil ich einfach so abgehauen bin, ohne mich von Chikh zu verabschieden, aber es ging ja nicht anders. Die ersten Kodas kamen nämlich bereits aus ihren Hütten, als ich mich zum letzten Mal durch den Mauerspalt zwängte und Uloth den Rücken kehrte. Danach musste ich dringend zu unserer heißen Quelle, um mich und Krätze wenigstens flüchtig zu waschen. Das sprudelnde, warme Wasser befreite mich von dem Gestank nach Pisse und war nach dieser grausigen, kalten Nacht so unglaublich wohltuend, dass ich am liebsten darin versackt wäre. Aber auch Krätze trieb so genüsslich gurrend auf dem Rücken umher, als wolle er eine Ewigkeit im heißen Nass einweichen. Zu guter Letzt blieb es natürlich bei einer Katzenwäsche, denn nach nur wenigen Schwimmzügen hörte ich Knorgh in der Ferne bereits herumbrüllen und musste weg. Weit weg. Sofort!
Selbstverständlich war ich wenigstens so schlau, die Kleidung einzusammeln, die mir Durbag so rüde heruntergerissen hatte. Na ja, ehrlich gesagt bin ich eher zufällig an dem Baum vorbeigelaufen, an dem er mich ausweiden wollte, hab die Sachen im Dreck liegen sehen und mitgenommen, aber immerhin. Leider ließ sich nur einer meiner Stiefel überstreifen, um die geschundenen Fußsohlen in das weiche Hochelfenleder zu betten, denn der Knöchel meines vormals angeketteten Fußes war viel zu dick geschwollen, um hineinzupassen. So humpelte ich dann halbbeschuht durch die Steppe.
Am liebsten wäre ich auch noch einmal zu unserem Baumhaus gelaufen, um so einiges einzupacken, was mir lieb und teuer ist, doch mit meinen Verletzungen hätte ich es niemals den Stamm hochgeschafft. Außerdem sah ich in der Ferne, wie sich ein Suchtrupp aus dem Dorf näherte, begleitet von einigen Varkhos. Mir war bisher gar nicht bekannt, dass wir sie haben, aber sie würden meine Fährte in null Komma nichts aufnehmen, wenn sie die erst einmal hatten. Also nahm ich lieber die Beine in die Hand.
Wenn Chikh wegen mir schon ihre Jungfräulichkeit an dieses mitleidlose Monster verlor, musste sie nicht auch noch ihren geliebten Rückzugsort wegen mir verlieren.
...
* FN: Master of Überleitung XD

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