Hier kommt die zweite Leseprobe aus dem zweiten Band unserer aktuellen "The Legend of Drekh" Reihe ![]()
Morgen werden wir dann so langsam mit den Vorbestellungen starten
Jetzt aber erstmal viel Spaß beim Lesen und wie immer freuen wir uns über euer Feedback!
ACHTUNG SPOILER! Wer Band 1 noch nicht gelesen hat, sollte lieber weiterscrollen ![]()
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Den
gesamten gestrigen Tag und die Nacht hindurch waren wir unterwegs und
ich humpelte mit meinem verletzten Knöchel und einem langen Stock als
Gehilfe durch die Steppe, bis es nicht mehr ging. Keine einzige Stunde
hab ich geschlafen, obwohl ich todmüde war, aber die Angst, sie würden
mich aufspüren und einholen, war einfach zu groß. Schließlich fand ich
diesen Ort, eine Oase in der Steppe mit schattenspendenden Bäumen und
einem kleinen See. Na ja, See ist vielleicht ein bisschen übertrieben.
Genau genommen ist es eher eine Pfütze, die womöglich in einigen Wochen
ausgetrocknet sein wird, aber ehrlich gesagt will ich sowieso noch etwas
mehr Distanz zwischen mich und Uloth bringen, also werde ich nicht
allzu lange hierbleiben. Ich vermute zwar, dass ich jetzt nicht mehr auf
dem Territorium der Kodagrokh bin, aber die genauen Grenzen kenne ich
nicht und unsere Späher stoppen ganz sicher nicht an irgendeiner
unsichtbaren Linie. Zum Baden reicht der kleine Tümpel in jedem Fall und
trinkbar ist das Wasser ebenfalls, wenn auch nicht besonders
schmackhaft. Vielleicht sollten wir zukünftig die Reihenfolge ändern ...
Erschöpft
legte ich mich nach unserer Ankunft zwischen die Bäume ins hohe Gras
und schlief, genau wie Krätze, von dem ich inzwischen weiß, dass er
nachtaktiv ist und vor der Dämmerung kein Auge aufmacht. Irgendwann
verschwanden jedoch die Schatten und in der prallen Sonne war es so
heiß, dass ich mich nach einem kühleren Schlafplatz umsehen musste. So
entdeckte ich den Knadlikhbau, der eine einfache Übergangsalternative zu
einem neuen Baumhaus darstellt. Zumindest vermute ich, dass der
ursprüngliche Bauherr ein Knadlikh war, denn dazu passen die Borsten,
die hier überall herumliegen.
Das Rindenstück, das ich zum Schaufeln
verwendet habe, nutze ich jetzt zunächst als Halbtür und stecke es vor
den Eingang. Ein bisschen fühle ich mich wie ein türkises Erdmännchen,
aber die Höhle ist tagsüber kühl und in der Nacht friert es darin nicht.
Davon abgesehen ist die Anlage der Behausung perfekt. Ich brauchte nur
die Gänge vergrößern, die zu einer mit Stroh gefüllten Schlafkammer und
einem Futterkämmerchen führen, aus dem es nach fauligen Nüssen riecht.
Mit
knurrendem Magen verputze ich nun die letzten Brotkrümel aus meinem
Fresspäckchen, doch deren Geschmack führt nur dazu, dass ich noch mehr
Hunger kriege. Bedauerlicherweise musste ich über die Hälfte des
Proviants wegschmeißen, denn das meiste davon war schnell verderbliches
Fleisch. Obwohl ich seit Beginn meiner Flucht versucht habe, dieses
zuerst zu essen, rebellierte mein empfindlicher Magen bei größeren
Mengen, und ehe ich mich versah, wurde es schmierig und fing an zu
müffeln.
‚Ich muss irgendwas Fressbares finden. Egal was!‘
Schon
heute Morgen habe ich den gesamten Bereich um das Gewässer herum
abgesucht, dabei all mein Wissen angewandt, aber bis auf ein paar
beerenlose Sträucher sowie ungenießbare Bäume und Gräser wächst hier
nichts. Die Kuhle scheint zudem regelmäßig auszutrocknen, denn ich
entdeckte keine Fische darin, ja nicht mal Schnecken oder sonst was in
der Art.
Hungrig und erschöpft schaue ich mich um, doch mir ist klar,
dass es wenig Sinn macht, den kleinen Hain noch einmal nach etwas
Essbarem zu durchforsten. Die Sonne brennt mir inzwischen so
unbarmherzig auf die Haut, dass es vielleicht ohnehin schlauer wäre,
zuallererst meine Kleidung zu reparieren.
In seiner Rage hat Durbag
leider sämtliche Nähte und auch die Schlaufen aufgerissen, sodass ich
mir die Sachen bis jetzt nur behelfsmäßig umbinden konnte, um nachts
nicht zu erfrieren. Selbst meinen Federkragen hat dieser Grobian
abgeknickt! Ich muss es schaffen, mir aus einem Knochensplitter eine
kleine Nadel zu fertigen, dann könnte ich einige der Gräser
zusammenbinden und diese übergangsweise als Schnüre benutzen, so wie ich
es damals bei Chikhs Haarbändern gemacht habe.
„Und wenn ich einmal
dabei bin, flechte ich mir auch gleich noch ein Fußmättchen. Nicht dass
zu viel Dreck reinkommt.“ Dabei schaue ich zu Krätze rüber und kichere.
„Höhöhö ... verstehst du? Zu viel Dreck?!“
„Khhrrk, khhrkhhrkhrr!“
Wenigstens einer mag meinen Humor.
***
Es
ist der zweite Morgen nach meiner Flucht. In der Nacht habe ich Besuch
bekommen. Die Knadlikhs, von denen ich dachte, dass sie den Bau
verlassen hätten, kehrten in der Nacht zurück und staunten nicht
schlecht, als sie die neue Eingangstür und die Erweiterung ihrer Bude
bemerkten. Glücklicherweise sind es friedliebende Wesen und so habe ich
nun zumindest ein paar wärmende Fellbälle um mich herum, die mir die
kalten Nächte erträglicher machen. Kaum ist es Tag, klatschen sie sich
mit Krätze ab und verschwinden dann in der Umgebung, während er sich in
die dunkle Höhle verzieht und dort schnurchelt, so wie schon den
gestrigen Tag über. In der ersten Nacht unserer Flucht verschwand er
sogar und kam erst am nächsten Morgen zu mir zurück, obwohl ich
ununterbrochen weitergelaufen war. Die Geräusche der Steppe machten mir
nämlich Angst und immer hatte ich das Gefühl, meine Verfolger oder
nachtaktive Jäger seien direkt hinter mir, was mich stets weiter
vorantrieb.
„Ich hab solchen Hungeeeeer!“
Ausgezehrt stapfe ich
erneut durch die Steppe, lecke an jedem Stein, knabbere verschiedene
Arten von Rinden und nuckle an allen halbwegs grünen Halmen, nur um ein
bisschen Geschmack in den Mund zu bekommen. Doch da ist nichts. Nichts
auch nur einigermaßen Verdauliches. Die Knadlikhs mümmeln das ganze Ufer
ab, aber tue ich es ihnen gleich, erbreche ich jeden einzelnen
Grashalm, der in meinem Magen landet.
Diese hoppelnden kleinen
Fellbälle sehen mittlerweile immer appetitlicher aus, aber bei einem
Versuch, sie zu fangen, wären sie schneller weg, als ich gucken kann.
Darüber hinaus weiß ich genau, dass ich es ja doch nicht übers Herz
bringen würde, ihnen den Hals umzudrehen.
‚Ich hätte lernen sollen zu
töten! Durbag, dieser elende Wichser, hatte recht. Es geht einfach
nicht ohne! Und jetzt werde ich elendig verhungern, weil ich nichts
finde, was meinen Magen auch nur halb so gut füllen kann wie Fleisch.‘
Dass
ich keine Tiere töte, war auf jeden Fall leichter zu sagen, als ich
noch täglich vom Clan etwas zu fressen bekam, um es dann mit eigenen,
essbaren Fundstücken zu ergänzen.
Es bringt alles nichts. Meine
Wunden sind noch immer nicht verheilt und es wäre zu riskant, jetzt
schon weiterzuziehen, wenn ich nicht mal weiß, wo es das nächste
Wasserloch gibt. Hier kann ich ausharren, heilen und habe wenigstens
genug zu trinken, um eine Weile zu überleben.

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