Wir wünschen euch ganz viel Spaß und damit einen wundervollen Abend!
Kapitel 1
Seelenwanderer (Part 1) - ACHTUNG enthält MASSIVE SPOILER! Bitte erst nach Drekh 1+2 lesen!!!
Bin ich gestorben?
Nein. Ich atme. Ganz flach, kaum spürbar, aber das Lüftchen in meiner Lunge erhält mich am Leben. Geister atmen nicht, oder doch? Gleichmäßig auf- und abschwellendes Rauschen dringt in mein Bewusstsein. Wärmende Lichter tanzen mir übers Gesicht und wecken mich langsam. Meine Augenlider sind so schwer, dass ich sie nicht öffnen kann, und alles, was ich wahrnehme, ist ein bunter Schleier, den mir das Sonnenlicht durch die geschlossenen Lider schickt. Gedämpft höre ich das Zwitschern der Vögel, zu dem sich auch andere Laute gesellen, die jedoch so weit entfernt scheinen, dass ich sie nicht genau benennen kann. Nach einer Weile bemerke ich, dass meine Zunge ganz trocken ist und sich pelzig anfühlt. Je wacher ich werde, desto schlimmer wird leider auch der pochende Schmerz in meinem Kopf und ich zwinge mich regelrecht, die Augen zu öffnen.
Ich liege in einem Bett. Ja, es dauert einige Zeit, bis ich einigermaßen scharf sehen kann und meine Umgebung erkenne, aber dann besteht kein Zweifel mehr. Mein schmerzender Kopf ruht auf einem weichen Kissen mit angenehm flauschigem Wollbezug. Ich trage ein hauchdünnes Hemd und meinen Körper bedeckt eine Leinendecke, die mir ein geborgenes Gefühl gibt und trotz der Wärme genug Luft zirkulieren lässt. So viel zur näheren Umgebung.
Ich blinzle dem Licht entgegen, das durch ein großes, halbrundes Fenster gegenüber dem Bett scheint. Dabei entdecke ich auch ein kleines, verziertes Holzschränkchen ganz in meiner Nähe, auf dem ein schmales, hohes, durchsichtiges Gefäß steht. Es ist leer und dennoch mit einem Korken verschlossen. Zudem ähnelt es dem Behältnis, mit dem die Elfen das Wasser aus der Pfütze geschöpft haben.
Etwas weiter unten sichte ich Krätze, der friedlich in der halb aufgezogenen Schublade des Schränkchens schnurchelt, gebettet auf einem Stapel dicker Wolltücher, aus denen er sich offenbar ein Nestchen gebaut hat. Sein Anblick ist so friedlich, dass mir richtig warm ums Herz wird.
Während ich ihn beim Schlafen beobachte, spüre ich immer mehr, wie meine pappige Zunge nach Wasser lechzt. Durstig betrachte ich noch einmal das Gefäß und sehe beim genaueren Hinschauen nun doch eine klare Flüssigkeit darin! Diese ist tatsächlich so rein, dass man sie für Luft halten könnte! Ich sammle meine ganze Kraft zusammen, strecke mich danach und bemerke dabei noch etwas anderes, worauf sich all meine Muskeln anspannen.
‚Da liegt was auf meiner Hüfte!‘
Verdutzt ändere ich mein Vorhaben und greife stattdessen vorsichtig unter die Decke, höre dabei aber auf einmal etwas hinter mir schnaufen und zucke zusammen, als mir plötzlich jemand den Nacken küsst! Ein großer, nackter, warmer Körper schmiegt sich an meinen Rücken, und jetzt steigt mir auch dieser unverkennbare Duft in die Nase, der nur einer Person gehören kann, die ich kenne: Arokh! Umgehend fluten nun auch die Erinnerungen an die letzte Nacht meinen brummenden Schädel und ein Schauer nach dem nächsten erfasst mich.
‚Diese Feier, der Fackelzug auf den Berg, die Pfähle, die Opferungszeremonie ... und dann ... dieser ... dieser riesige Troll!‘
Kalter Schweiß läuft mir über den Rücken und sämtliche Haare an meinem Körper stellen sich auf.
‚Aber ... jetzt liege ich hier in einem Bett, als wenn nichts gewesen wäre. Wie geht das? War das alles nur ein Traum? Oder träume ich jetzt?‘
Vorsichtig rutsche ich ein Stück in Richtung Bettkante von ihm weg, dann rolle ich mich herum, aber kaum berührt mein Rücken das Laken, rutscht Arokh wieder dicht heran und schmiegt sein Gesicht an meine Wange. Sein Atem streift über meine Haut und seine weißen Haare kitzeln mich an der Stirn. ‚Er ist echt. Das hier ist echt. Oder doch nicht?‘ Seine Hand streicht über meine Schulter, bleibt schwer auf dieser liegen und gleichzeitig drückt sich sein harter Schwanz gegen meinen Oberschenkel.
‚Ich muss einen Albtraum gehabt haben ... Ja, das Fest! Natürlich! Ich hab doch einen ganzen Becher von diesem merkwürdigen Zeug gesoffen! Genau, der Kräuterschnaps! Der wird mich völlig aus den Socken gehauen haben, weil ich noch nie zuvor etwas derart Starkes getrunken habe!‘
Ich atme tief durch und mich durchströmt im selben Moment eine Welle der Erleichterung. Fast möchte ich heulen, so froh bin ich. „Nie wieder Alkohol!“, flüstere ich reumütig und kann diesen grauenvollen Albtraum noch immer gar nicht fassen. ‚Ein Urtroll ...‘ Der Gedanke lässt mich einfach nicht los und plötzlich pruste ich grinsend. ‚So was Beklopptes! Und dann auch noch einer, der im Meer lebt. Also eins steht mal fest: Der Kerl wäre bestimmt die hässlichste Meerjungfrau der Welt!‘

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