Hier kommt sie, die zweite Leseprobe aus "Villa der Sünde"! Wir wünschen euch ganz viel Spaß und freuen uns wie immer über Feedback!
LG Aki & Vaelis
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Leseprobe 2 aus Kapitel 1 "Alltagshass"!
Sobald ich pünktlich um siebzehn Uhr Robs Schlüssel höre, der im Schloss der Eingangstür klimpert, spanne ich mich innerlich an und schalte alle Systeme auf Konfrontationskurs.
‚Na der kann was erleben!‘
Nichts hab ich geschafft! Rein gar nichts! Nicht mal die verdammten Blumen für die verdammten Schröders hab ich bestellt! Und warum? Weil mir irgendwann aufgefallen ist, dass sämtliche Fenster in diesem Haus völlig verstaubt sind! Und warum sind sie verstaubt? Weil Rob ja unbedingt immerzu diesen dämlichen Kamin anmachen muss, obwohl wir eine wunderbare, voll funktionstüchtige Fußbodenheizung haben, die keinen Ruß durchs ganze Haus bläst!
„Cal?“, höre ich Robs tiefe Stimme rufen und stehe auf, während ich mich zu beruhigen versuche. Immerhin kann ich ihm verbal keine runterhauen, bevor ich ihm nicht wenigstens Hallo gesagt habe. So viel Höflichkeit muss sein. „Ich hab uns ‘ne Chinapfanne mitgebracht“, verkündet er daraufhin und ich frage mich einen Moment, ob er ein schlechtes Gewissen hat. „Kommst du runter?“
„Komme!“, antworte ich knapp, obwohl ich bereits auf der Treppe stehe, und bin angesichts seines Mitbringsels und meines knurrenden Magens fast schon wieder in versöhnlicher Stimmung. Doch da sehe ich, wie er schnaufend seine abgewetzte Lederjacke auf den Flursessel wirft, statt sie aufzuhängen. Augenblicklich kocht die Wut erneut in mir hoch und ich balle die Fäuste. „Könntest du bitte deine versiffte Drecksjacke von meinem Boudoirsessel nehmen?“
„Ja, ja, gleich“, antwortet er unbekümmert, wirft seine Haare zurück und stellt die Tüte mit den gedeckelten Aluschalen aus dem Asia-Imbiss auf den Esstisch. Seit die Preise bei seinem Frisör aufs Doppelte gestiegen sind, hat er sich seine leicht gewellte, sandfarbene Mähne nicht mehr schneiden lassen und sieht inzwischen aus wie eine kräftigere Version von Rob Zombie. „Lass uns erst mal futtern, ich hab echt Kohldampf.“
‚Ich geb dir gleich Dampf!‘
Energischen Schrittes gehe ich auf ihn zu und hole gerade tief Luft, um ihn anzuschnauzen, da dreht er sich lächelnd zu mir um und küsst mich einfach. „Hi Schatz. Bevor du was sagst: Die Ente auf deinen Nudeln ist ohne Panade! Diesmal hab ich dran gedacht.“
Ja, das war der Anlass für meinen letzten Ausraster. Ich hasse Panade aka zusammengepappte Fettpampe mit Weizenmehl. Schon seit Jahren bringt er immer wieder irgendwelches in Teig frittiertes Zeug mit, das ich dann ewig rauspulen muss.
„Danke“, ringe ich mir ab und schlucke meine Schimpftirade herunter. „Hast du auch an die gerösteten Zwiebeln gedacht und die scharfe Soße?“
„Ist beides nicht mal in die Nähe deiner Schale gekommen!“, verkündet er grinsend und scheint es richtig zu genießen, dass ich mal nichts zu meckern habe, obwohl er schon an meiner Tonlage gehört haben dürfte, dass ich grundlegend auf Krawall aus war. Stattdessen streicht er mir nun die Haare zurück und gibt mir einen weiteren Kuss auf die Wange, ehe er mit der Hand darauf patscht. „Na los, hör auf zu grummeln und lass uns essen. Kannst mir später noch die Hölle heißmachen, für ... was auch immer ich wieder verbrochen habe.“
„Grmslmrrr, deine Mutter hat dich verbrochen!“ Ungestüm rupfe ich die Stäbchen aus der Papierverpackung und entferne den beschichteten Pappdeckel von der Aluschale, ehe ich mich setze. „Ist ganz sicher nicht so, dass ich dich gern anschnauze!“
„Ach nein?“ Rob prustet und holt die Wasserflasche aus dem Kühlschrank. „Wenn es dir keinen Spaß macht, könntest du es nicht vielleicht einfach sein lassen?“
„Ich würde es lassen, wenn du mich nicht den halben Tag in den Wahnsinn treiben -“
„Ich war doch überhaupt nicht hier“, unterbricht er mich, ohne mich anzusehen, und gießt scheinbar gelassen zwei Gläser Wasser ein. „Jetzt beruhige dich bitte wieder und lass uns nachher darüber reden, ja? Ich hatte ‘nen echt anstrengenden Tag.“
„Super!“, fauche ich und spüre, wie mein Gesicht heiß wird. „Mein Tag war auch beschissen und dreimal darfst du raten, wer daran schuld ist!“ Ich warte nicht auf seine Antwort, sondern wettere direkt weiter, denn ich kann es einfach nicht mehr in mir behalten: „Du! Wie oft hab ich dich schon gebeten, nichts Nasses auf dem Mahagonibrett im Bad liegen zu lassen?“
Rob verdreht die Augen, dann schnalzt er mit der Zunge und spießt demonstrativ seine Stäbchen in den Nudelberg, da er ganz offensichtlich eh nicht zum Essen kommt, bevor wir das geklärt haben. „Ich dachte, du hättest das Ding jetzt endlich mal imprägniert?“
„Nein! Ich habe die ganzen alten Flecken abgeschliffen und es neu geölt!“
„Klasse“, schnauft er und legt den Kopf in den Nacken. „Erklär mir doch mal bitte den Sinn eines Ablagebretts, wenn man darauf nichts ablegen darf!“
„Es ist eine Deko-Ablage!“, verteidige ich mich nach kurzem Zögern. „Da legt man Deko drauf, keine schleimigen Zahnbürsten! Und selbst das wäre ja kein Problem, wenn es nur kurz wäre und du es danach wieder säubern würdest!“
„Wie wäre es denn, wenn wir dieses dämliche Brett einfach durch eine Glasleiste austauschen? Oder wenigstens eine wasserabweisende Folie draufkleben?“
„Ich kleb doch keine scheiß Plastikfolie auf mein Mahagoni!“ Entrüstet haue ich mit der Hand auf den Tisch. „Wie wäre es denn, wenn du deine Hinterlassenschaften einfach beseitigst, statt immer alles liegen zu lassen? Du bist zweiundvierzig, verdammt! Ist das denn wirklich zu viel verlangt? Nur wegen deiner Lotterwirtschaft habe ich heute nichts geschafft, obwohl mir drei Tonnen an Arbeit am Arsch kleben, die noch vor unserem Urlaub erledigt werden muss! Den ganzen verfluchten Tag räume ich dir deine Scheiße hinterher, putze deinen Dreck weg und wasche deine mit Hundehaaren verseuchte Wäsche! Zu nichts anderem komme ich mehr!“
Rob sieht mich die ganze Zeit schweigend an, doch sobald mein letztes Wort gesprochen ist, schüttelt er verständnislos den Kopf und schnauft kurz durch. „Cal, niemand außer dir selbst zwingt dich, das Haus permanent auf Hochglanz zu polieren. Ein bisschen Dreck schadet nicht!“
„Das ist aber nicht nur ein bisschen!“, schnauze ich ihn an und gebe dem Tisch eine weitere Backpfeife. „Wenn ich hier nicht sauber mache, tut es doch niemand! Wann hast du zuletzt die Wäsche gewaschen, die Fenster geputzt oder wenigstens mal gesaugt?“
„Du lässt mich doch gar nicht!“, motzt er zurück, inzwischen ebenfalls hörbar angepisst, und steht auf. „Jedes Mal, wenn ich hier irgendwas gemacht habe, war es nicht richtig oder nicht gut genug. Und außerdem ist ja immer schon alles fertig, sobald ich nach Hause komme! Also wann soll ich denn putzen? In meiner Mittagspause?“ Gerade als ich etwas darauf erwidern will, nimmt er seine Schale und geht. „Ich esse im Wohnzimmer. Gib mir Bescheid, wenn du von deinem Aggro-Trip wieder runter bist.“
„Meinem Aggro-Trip?“ Jetzt schlägt‘s aber dreizehn! „Ich bin doch nur aggro, weil du dich wie ein rücksichtsloses Schwei-“, das Knallen der Tür unterbricht meinen Redestrom und ich bleibe mit all meinem Frust zurück.
***
Den ganzen Abend haben wir nicht mehr miteinander geredet. Rob aß nicht mal die Hälfte seiner Portion auf, dann stellte er den Rest in den Kühlschrank, schnappte sich seine Sporttasche und verließ wortlos das Haus. Das macht er immer, wenn wir uns streiten. Er fährt in die Muckibude und reagiert sich dort an den Geräten ab, was ihm vor allem in den letzten zwei Jahren, der Häufigkeit unserer Reibereien geschuldet, ein sehr ansehnlich breites Kreuz beschert hat.
Ich hingegen verziehe mich dann meistens mit einem Schluck Alkohol ins Büro. Heute ist es ein halbes Glas Tennessee Whisky, das meine Nerven beruhigt, damit ich wenigstens noch das Gestrüpp für die Hochzeit der Schröders bestellen kann. Für Sport bleibt mir keine Zeit, außerdem hab ich nicht die richtige Veranlagung dafür. Ich setze nichts an und werde auch immer drahtig bleiben, egal wie viel ich esse oder wie viel Sport ich mache. Da komme ich wohl nach meinem Vater. Der ist zehn Jahre im Verein Kanu gefahren und sah selbst am Ende seiner sportlichen Karriere praktisch noch genauso aus wie am Anfang. Da kann ich mir auch einen reinzwitschern und nebenbei arbeiten, um mich abzureagieren.
‚Wahrscheinlich macht er dann nachher auch gleich wieder den Kamin an, schlurft dabei durch die Asche, die herausnebelt, sobald man die Luke aufmacht, und haut dann seine verdreckten Füße auf meine schöne Chaiselongue!‘
„Wegen dem Kerl werde ich noch zum Alkoholiker!“, grummle ich missmutig und gieße mir den dritten Schwall ins Glas, denn inzwischen hab ich die Flasche hochgeholt. „Wann kommt der eigentlich zurück? Ist doch schon vor zwei Stunden los?“ Eifersucht befällt mich.

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